Güterbahnhof-Baracke besetzt!

AUTONOME KULTUR UND BILDUNG STATT REPRESSION UND KNÄSTE

 

In der Nacht auf Montag, 19. April wurde die Baracke an der Hohlstrasse 170 auf dem Güterbahnhof-Gelände besetzt und neu belebt. Das Gebäude steht seit mehr als einem Jahr leer. Es wird per sofort für verschiedene Bildungs- und Kulturprojekte neue Heimat sein, die zurzeit durch die Stadt wandern.

Die Besetzer_innen stellen den befreiten Raum unter anderem dem Verein Bildung für Alle zu Verfügung. Seit mehr als einem Jahr besuchen dort rund hundert illegalisierte Flüchtlinge und Migrant_innen, aber auch Asylbewerber_innen, deren Antrag noch im Verfahren ist, drei Mal die Woche Deutschkurse. Es sind Menschen, denen der Weg zur Bildung und Selbstbestimmung vom Bund und Kanton aktiv verweigert wird.

Ebenso wird die Baracke mit verschiedenen autonomen Kultur- und Bildungsanlässen belebt werden. Bereits heute Nachmittag wird die erste Veranstaltung der neuen Autonomen Schule Zürich stattfinden, ein Vortrag über Gastfreundschaft. Ebenso werden die Teilnehmenden des Deutschkurses ihr neues Heim besichtigen.

 

Millionen für die Bedürfnisse der Mächtigen – einst und jetzt

Auf dem Gelände des Güterbahnhofs soll das neue Polizei- und Justizzentrum (PJZ) gebaut werden. Der Kanton will für diesen Polizeipalast 630 Millionen Franken ausgeben. Ein in Beton gegossenes Symbol einer Politik, die von Ausgrenzung und Repression gezeichnet ist. Ein Symbol einer Politik auch, die autonome Projekte immer stärker einschränkt. Beispiele dafür sind die gewaltsame Räumung  der Autonomen Schule Zürich (ASZ), die Sabotierung des Jugend Squat an der Wehntalerstrasse (beides im Januar) und der Abriss des Autonomen Kulturzentrums an der Kalkbreitestrasse 4 im März.

 

Vor 30 Jahren verteilten die Mächtigen Millionen für das Opernhaus, Symbol der Elitekultur, und räumten das Autonome Jugend Zentrum. Heute bauen sie Repressionspaläste und räumen und vertreiben autonome Kultur und Bildungsprojekte. Ebenso wie vor 30 Jahre bleibt uns nichts anders übrig, als Widerstand zu leisten. Und das tun wir.

 

Wie vor 30 Jahren: Wir wehren uns

Wir wehren uns gegen eine Stadt der Reichen, gegen die Gentrifizierung von Stadtkreisen wie dem Kreis 4 und 5 , gegen die ständige Schikanierung von Migrant_innen, gegen die alltäglichen und willkürlichen Personenkontrollen, gegen die Illegalisierung und Kriminalisierung von Flüchtlingen und gegen rassistische Pauschalisierungen, wie sie kürzlich von Alain Du Bois–Reymond, Direktor des Bundesamt für Migration, in einem Interview gemacht wurden.

 

Wir setzen uns ein für eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung, für eine Stadt, in der verschiedene Welten machbar sind, eine Stadt ohne Polizei in jeder Ecke. Wir setzen uns ein für Solidarität, für eine natur- und menschfreundliche Stadt, für Schulen und Kinderkrippen, für das Recht auf Bildung, auf Migration und auf Asyl.

 

Es gibt viel zu tun. Wir bleiben dran – in unserem neuen Zuhause an der Hohlstrasse 170.

 

Die Autorität ist angreifbar, die Utopie ist machbar.

 

 

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